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Ebbe im Glauben?

Im vorigen Jahr war ich mit meiner Frau in Husum. Der Schriftsteller Theodor Storm, der in dieser Stadt lebte, bezeichnete Husum als eine „Graue Stadt am Meer“. So grau empfanden wir jedoch die nette Stadt nicht. Husum hat einen Tidenhafen. Der Wasserstand ist also von den Gezeiten – Ebbe und Flut – abhängig. Einmal sahen wir die Boote bei Ebbe tief unten im fast trockenen Hafenbecken. Das rege Treiben war zum Stillstand gekommen. Selbst die schönsten und teuersten Boote lagen fest. Der Anblick erinnerte mich an einen Artikel, den Pastor Wilfried Wiegand vor vielen Jahren schrieb. „Ebbe im Glauben“ hatte er den Artikel überschrieben. Auch im Glaubensleben kann es zu Zeiten kommen, in denen Stillstand herrscht. Die Ursachen können unterschiedlich sein.

„Ebbe im Glauben“ erkennt man daran, dass man offensichtlich keine Zeit und keine Freude zum Gebet und zum Bibellesen hat. Zum Gottesdienst, zur Bibelstunde oder zum Hauskreis zieht es einen dann auch nicht mehr. Mit dem Gottvertrauen sieht’s kümmerlich aus. Die Freude am Glauben fehlt.

Man darf solche Zeiten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Charles Haddon Spurgeon hat einmal gesagt: „Wenn Ebbe im Glauben ist, dann steigt die Flut der Sünde.“ Deshalb muss man solch eine „Ebbe im Glauben“ ernst nehmen. Man kann sich sehr schnell an Missstände gewöhnen und Missstände für normal halten. Das ist aber nicht gut.

In der Natur wechseln Ebbe und Flut in einem ständigen Rhythmus, den man sogar genau berechnen kann. Aber die „Ebbe im Glauben“ geht nicht nach wenigen Stunden von selbst vorüber. Wir können sie auch nicht allein überwinden. Eigentlich gibt es nur eine Lösung für das Problem. Pastor Wilfried Wiegand schrieb in seinem Artikel: „Die Ebbe im Glauben hat da ein Ende, wo die Verbindung zur Quelle des Lebens wieder da ist, zu Jesus Christus und seinem Wort.“

Jesus Christus hat eine Einladung ausgesprochen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erquicken.“ (Mt 11,29)

Durch Jesus Christus empfangen wir Vergebung unserer Schuld und neue Kraft zum Glauben und Gottvertrauen.

Hans Greiff
(Mit Jesus unterwegs, Nr. 4 Juli/August 2013)