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China: Christen erwarten härtere Gangart der Regierung

Pastoren bewerten Entwicklung unterschiedlich, Zuversicht trotz Bedrohung weit verbreitet

(Open Doors, Kelkheim) – In China könnten die Tage der Entspannung für christliche Gemeinden gezählt sein. Nach der Einführung einer neuen Religionsverordnung am 1. Februar (Open Doors berichtete) und tiefgreifenden politischen Entwicklungen wie der Aufhebung jeglicher Begrenzung für die Amtszeit des Präsidenten zeigen sich viele Beobachter besorgt. Andere verweisen auf das Wachstum der Gemeinde trotz teilweise härtester Verfolgung in der Vergangenheit.


Bild: Leiterschaft-Schulung in China


Einladungen „zum Tee“ und Entfernung von Kreuzen

Pastor John* aus der Provinz Zhejiang sagt: „Meine Großeltern wurden hingerichtet, weil sie Christen waren; ich bin stolz darauf, Teil der vierten Generation von Christen in meiner Familie zu sein. Sie werden uns nie davon abhalten zu glauben – wir haben in der Vergangenheit Druck und Verfolgung erlebt – wir sind darauf vorbereitet. Die Behörden luden mich ‚zum Tee‘ ein – ich verbrachte 13 Stunden auf der Polizeiwache und trank 27 Tassen Wasser. 2015 haben sie versucht, mich dazu zu bringen, das Kreuz meiner Kirche abzunehmen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich das nicht wagen würde, aber sie könnten es abreißen. Sie sollten vorsichtig sein, weil die Arbeit dort hoch oben gefährlich sei. Ich versprach ihnen, wir würden für sie beten, falls es einen Unfall geben sollte. Die ganze Kirche betete. Kurz bevor sie kamen, gab es eine Explosion, so dass sie es an diesem Tag nicht abreißen konnten. Das nächste Mal kamen sie mit einem Hubsteiger, um das Kreuz zu entfernen, aber die Maschine hatte einen Defekt. Danach gaben sie auf. Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft.“

Abwarten, was passiert

Pastor Adam* aus Peking sagte Open Doors, dass er bereits Anzeichen für eine mögliche Intensivierung der Verfolgung wahrnimmt. Er unterrichtet in einem nicht registrierten Seminar etwa 50 künftige Leiter von Hausgemeinden, die sich ohne Genehmigung versammeln. Die Behörden dulden bislang solche Kirchen, solange sie keine Aufmerksamkeit erregen. Pastor Adam erklärt: „Die Studenten sind bereits in drei Gruppen aufgeteilt. Meine Gemeinde wartet ab, was passiert. In der Zwischenzeit schulen wir mehr Kleingruppenleiter, so dass wir bereit sind, wenn wir uns weiter aufteilen müssen.“ Pastor James* hat bereits vor fünf Jahren damit begonnen, seine Gemeinde in Kleingruppen aufzuteilen, um sie auf eine mögliche Verschlechterung der Lage vorzubereiten.

Großer Bedarf an Schulungen

Andere halten die neuen Vorschriften für das geringste ihrer Probleme. Pastor Mark* merkt an: „Wir in China sind eine sehr junge Kirche, wir sind schnell gewachsen. Wir brauchen mehr biblische Schulungen.“

Open Doors unterstützt chinesische Kirchen bei der Vorbereitung auf eine mögliche Verschärfung ihrer Situation durch biblische Schulungsprogramme in Bereichen wir Jüngerschaft, Haushalterschaft und Vorbereitung auf Verfolgung.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert China aktuell auf Platz 43 (Vorjahr: 39) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

* Namen geändert

Zum Open Doors Tag 2018 am 12. Mai in Heilbronn erwarten wir auch Pastor Liang* (China), der wegen seines Glaubens viele Jahr im Gefängnis gesessen hat. Alle weiteren Informationen finden Sie hier.


Über Open Doors

Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in mittlerweile rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Derzeit leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
Die Arbeit von Open Doors Deutschland e.V. wird durch Spenden finanziert. Das Werk trägt das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.

Irak: „Wir sind wieder hier – wegen Jesus!“

Tausende Christen feiern Palmsonntag und füllen Karakosch mit neuem Leben

(Open Doors, Kelkheim) – „Du kannst dich auf der ganzen Welt umsehen, nirgendwo wird Palmsonntag so gefeiert wie hier!“ Andraws ist einer von tausenden irakischen Christen, die aus diesem Anlass am vergangenen Sonntag erstmals seit dem Einmarsch des IS wieder die Straßen des nordirakischen Karakosch füllten. Der 25-jährige Lehrer hatte nicht damit gerechnet, dieses für ihn so besondere Fest jemals wieder in seiner geliebten Heimatstadt zu feiern.



Bild: Christen während der Feier zum Palmsonntag in Karakosch


Singend durch die Straßen

An diesem Tag konnte die Welt hören und sehen, dass die Christen wieder in die Ninive-Ebene im Irak zurückgekehrt sind. Nachdem in den vergangenen Monaten immer mehr Familien einen Neuanfang in ihren oftmals geplünderten und teils zerstörten Häusern gewagt haben, zogen tausende Menschen Palmwedel und Olivenzweige schwingend durch die Straßen der alten Stadt. Mit lauten Gebeten und Gesängen erinnerten sie an den Einzug Jesu in Jerusalem, wo er kurz darauf am Kreuz sterben sollte. „König und Könige und Herr der Herren“, so war es überall zu hören.

Verkündigung vom Kirchendach

Unter ihnen marschierte auch Andraws und gab inmitten der festlichen Stimmung eine unmissverständliche Botschaft an Christen in anderen Teilen der Welt weiter: „Bitte verliert niemals die Hoffnung! Zweieinhalb Jahre lang waren wir vertrieben und hatten fast jede Hoffnung verloren, jemals hierher zurückzukehren. Aber heute sind wir wieder hier, wegen Jesus; weil wir auf ihn gehofft haben!“

Der Marsch der Christen endete auf dem Platz vor der Johanneskirche in Karakosch, wo ein Freiluftgottesdienst gefeiert wurde. Das Kirchendach diente den Geistlichen als Kanzel. Von dort aus verkündeten sie das Evangelium, lasen aus der Bibel vor und leiteten die versammelte Menge in der Anbetung Gottes.

„…gefühlt, als ob es Gott oder Jesus gar nicht gäbe“

Andraws unterrichtet an der kürzlich wieder eröffneten Schule. Er erinnert sich an die ersten Tage nach der Flucht, bei der seine Familie nahezu all ihren Besitz zurücklassen musste: „[Danach] fühlte ich mich am Anfang so, als ob es Gott oder Jesus gar nicht gäbe – wegen all der Dinge, die geschehen waren. Aber dann wurde mir wieder klar, dass er existiert und dass wir ihm vertrauen müssen.“ Und mit einem Lächeln fügt er noch einmal hinzu: „Und wegen ihm wir sind heute hier.“

 

Bitte beten Sie für die Christen im Irak:

  • Danken Sie für die vielen Rückkehrer nach Karakosch und für die fröhlichen Feiern zum Palmsonntag.
  • Beten Sie für alle Christen in den Kurdengebieten und im Ausland, die Jesus in ihre irakische Heimat zurückrufen möchte: dass sie nach seinem Willen fragen und den Mut für diesen großen Schritt aufbringen.
  • Beten Sie für einen geistlichen Neustart der Gemeinden: dass eine starke Einheit des Glaubens über alle Konfessionsgrenzen hinweg entsteht und auch diejenigen eingebunden werden, die neu zum Glauben gefunden haben.


Filmbeitrag zu den Feiern in Karakosch und dem Gespräch mit Andraws


Hinweis: Mit einem Klick auf das Bild öffnet sich das Video auf unserer Internetseite.


Herzliche Einladung zum Open Doors Tag 2018 am 12. Mai in Heilbronn unter dem Motto „Gemeinsam verfolgte Christen stärken“. Alle weiteren Informationen finden Sie hier


Über Open Doors

Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in mittlerweile rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Derzeit leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
Die Arbeit von Open Doors Deutschland e.V. wird durch Spenden finanziert. Das Werk trägt das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.