Pakistan: Erneut Blasphemie-Anklage gegen Christen

Nachrichten aus der verfolgten Kirche - 23.06.2017

Christliches Bekenntnis im Gespräch mit einem Kunden führt zur Verhaftung

(Open Doors, Kelkheim) – Ein Christ, der in Lahore einen Fahrradladen betreibt, wurde vor wenigen Tagen der Blasphemie angeklagt. Man warf ihm vor, den islamischen Propheten Mohammed missachtet zu haben. Obwohl der Anteil von Christen an der Bevölkerung nur etwa zwei Prozent beträgt, waren mehr als ein Viertel der Anklagen wegen Blasphemie seit 1990 gegen Christen gerichtet.

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Ein verhängnisvolles Gespräch

Seit zwei Jahren führte Ashfaq Masih sein Geschäft in einem Teil von Lahore, in dem viele Christen leben. Zu dem verhängnisvollen Gespräch kam es am 15. Juni. Der 28-Jährige äußerte gegenüber einem Kunden, dass Christen Jesus für den entscheidenden Propheten hielten. Daraus entwickelte sich ein Streit, zu dem immer mehr Menschen hinzukamen. Muhammad Ashfaq, der Besitzer eines nahegelegenen Geschäfts und einer der Ankläger, sagte gegenüber World Watch Monitor, Ashfaq Masih habe seine „respektlose Haltung“ selbst vor der versammelten Menschenmenge noch beibehalten. Nachdem jemand die Polizei informiert hatte, wurde Ashfaq Masih sofort festgenommen.

„Ich bete, dass Gott ihn bewahrt“

Der zuständige Polizeichef Wasim Akhtar sprach von einem „bedauerlichen“ Vorfall, meinte aber, man habe die Situation „unter Kontrolle“. Nach Aussagen von Muhammad Ashfaq sei es vorher weder in seinem eigenem Geschäft, das er seit 17 Jahren leitet, noch in dem von Ashfaq Masih jemals zu einer religiös motivierten Auseinandersetzung gekommen. Allerdings hätten einige Kinder inzwischen erzählt, dass Ashfaq Masih öfter über Religion gesprochen habe. „Mein Sohn ist ein sehr geradliniger Mensch, der nicht lügt und in religiösen Diskussionen nicht nachgibt. Ich bete einfach nur, dass Gott ihn bewahrt“, sagte Ashfaq Masihs Mutter. Sein Anwalt Riaz Anjum möchte auf eine Freilassung auf Kaution hinwirken und hofft, dass die zwischenzeitlich geflohene Familie bald nach Hause zurückkehren kann.

Asia Bibi weiterhin im Gefängnis

Auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt Pakistan den 4. Platz ein unter den Ländern, in denen Christen am stärksten unter Verfolgung leiden. Unter dem herrschenden Blasphemie-Gesetz genügt schon der geringste Anlass im Alltag, um der Beleidigung des Islam angeklagt und im schlimmsten Fall aufgrund dessen zum Tod verurteilt zu werden. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das der fünffachen Mutter Asia Bibi, die vor mittlerweile acht Jahren wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed verhaftet wurde. Das gegen sie erlassene Todesurteil wurde zwar vor zwei Jahren vorläufig aufgehoben, es gibt jedoch keine weiteren Fortschritte in ihrem Prozess und die Situation ist weiterhin sehr angespannt. Erst im April hatte ein muslimischer Geistlicher erneut die Hinrichtung der Christin gefordert. Open Doors ruft zum Gebet für Asia Bibi und ihre Familie auf, wie auch für den nun verhafteten Ashfaq Masih.

Quelle: World Watch Monitor, Open Doors

 

 


Über Open Doors

Nach einer neuen Einschätzung leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
Die Arbeit von Open Doors Deutschland e.V. wird durch Spenden finanziert. Das Werk trägt das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.

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