Irak: Christina ist wieder zu Hause!

Nachrichten aus der verfolgten Kirche - 09.06.2017

Fünfjähriges Mädchen kann nach drei Jahren in den Händen des IS zu ihrer Familie zurückkehren

(Open Doors, Kelkheim) – Für die Christen im Irak ist heute ein ganz besonderer Tag: Nach dreijähriger Gefangenschaft wurde die bald sechsjährige Christina Abada heute Vormittag zu ihren Eltern zurückgebracht. Wie Christen vor Ort berichteten, sei sie von einer Spezialeinheit des irakischen Militärs befreit worden. Im August 2014 hatten IS-Kämpfer das Mädchen entführt.

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Aus den Armen ihrer Mutter gerissen

Die Familie Abada lebte in Karakosch in der Ninive-Ebene. Als der IS im August 2014 in die Stadt eindrang, waren bereits hunderttausende Christen und Angehörige anderer Minderheiten aus der Gegend in den Norden des Landes geflohen. Aufgrund der Tatsache, dass Christinas Vater Khader blind ist, war ihre Familie noch geblieben, doch nun zwangen die Kämpfer sie dazu, ebenfalls die Stadt zu verlassen. Christinas Mutter Ayda trug die damals Dreijährige auf dem Arm. Als die verbliebenen Christen in einen schmutzigen Bus gedrängt wurden, kam einer der Islamisten auf Ayda zu und nahm ihr ihre Tochter einfach weg. Seit diesem Zeitpunkt hatte die Familie nichts mehr von Christina gehört. In den ersten beiden Jahren nach diesem schrecklichen Ereignis kamen immer wieder Gerüchte auf, dass Christina noch am Leben sei; in jüngster Vergangenheit ließen diese jedoch nach, was die Ängste der Angehörigen noch verstärkte. Die Eltern befürchteten, ihre Tochter niemals wiederzusehen.

Ein Tag voller Freude

„Meine größte Freude wäre es, wenn mein Kind, Christina, zu uns zurückkehren würde“, sagte Ayda ein Jahr nach der Entführung gegenüber Mitarbeitern von Open Doors. Dies ist nun Wirklichkeit geworden. Am 9. Juni gegen 10 Uhr morgens konnten Ayda und Khader ihre Tochter endlich wieder in die Arme schließen. Eine Christin, die ebenfalls im Flüchtlingslager in Ashti in der Nähe von Erbil lebt, war dabei, als Christinas Rückkehr im Wohncontainer ihrer Eltern gefeiert wurde: „Es war ein sehr glücklicher Moment. Alle tanzten und klatschten und lachten.“ Auf den ersten Blick sehe Christina „ganz gesund“ aus: „Meiner Ansicht nach muss sie im Haus einer Familie untergebracht gewesen sein, die sich gut um sie gekümmert hat.“ Allerdings war sie sichtlich überfordert angesichts all der Menschen, die sie plötzlich umgaben, sie willkommen hießen und ihr Fragen stellten. Es ist anzunehmen, dass sie von den vergangenen Ereignissen traumatisiert ist. Am 18. Juli feiert Christina ihren sechsten Geburtstag.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2017 von Open Doors steht der Irak auf Rang 7 unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Quelle: World Watch Monitor, Open Doors


Über Open Doors

Nach einer neuen Einschätzung leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
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