Äthiopien: Neuer Gesetzesentwurf versetzt Christen in Sorge

Nachrichten aus der verfolgten Kirche - 28.04.2017

Kleineren Gemeinden im Bundesstaat Tigray droht Versammlungsverbot

(Open Doors, Kelkheim) – Die Regierung des Bundesstaates Tigray im Norden Äthiopiens erwägt, ein neues Gesetz zu erlassen, das christliche Aktivitäten auf behördlich anerkannte Kirchengelände beschränken würde. Die neue Regelung hätte besonders drastische Auswirkungen auf kleine Hausgemeinden, die kein eigenes Gebäude haben – ihre Versammlungen würden dadurch illegal.

Evangelisation außerhalb von Kirchen bald verboten?

Sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden, wären davon vor allem die Christen außerhalb der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche betroffen. Um überhaupt ein eigenes Grundstück erwerben zu können, müsste eine Kirche (vermutlich bezogen auf die Denomination) mindestens 6.000 Mitglieder vorweisen können – mehr, als es in Tigray überhaupt nicht-orthodoxe Christen gibt. Grundsätzlich würde das Gesetz allen Christen verbieten, außerhalb eines kirchlichen Geländes über ihren Glauben zu sprechen.

Kirchenleiter vor Ort haben gegenüber der Regierung ihre Bedenken bezüglich des geplanten Gesetzes geäußert, doch bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Ein ähnliches Gesetz trat kürzlich im benachbarten Bundesstaat Amhara in Kraft. Die äthiopischen Christen befürchten, dass sich die Situation nun auch in anderen Regionen des Landes verschlechtern könnte.

Wachsende Gemeinden und zunehmende Spannungen

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl protestantischer Christen in Äthiopien erheblich gewachsen. Die neuen Gläubigen haben zum großen Teil einen animistischen Hintergrund; einige sind jedoch auch vom orthodoxen zum evangelischen Glauben konvertiert. Neben den Spannungen, die aus der Abwendung von der jeweiligen Tradition resultieren, setzt die Regierung die Christen zunehmend unter Druck. Um jegliche mögliche Opposition im Keim zu ersticken, werden religiöse Institutionen immer stärker überwacht. Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen werden verdächtigt, ausländische Spione zu sein, die einen Sturz der Regierung herbeiführen möchten.

Äthiopien belegt auf dem Weltverfolgungsindex 2017 von Open Doors Platz 22 unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Neben den genannten Problemen leiden Christen in muslimisch dominierten Gebieten wie den Regionen Afar und Somali im Osten des Landes unter einem zunehmend extremistischen Islam. Sie werden gesellschaftlich ausgeschlossen und sind immer wieder gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

Herzliche Einladung: Am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende finden in Dortmund der diesjährige Open Doors Tag (27.05.), der Open Doors Jugendtag (25.05.) und ein Gebetsabend für Nordkorea und die islamische Welt (26.05.) statt. Kommen Sie und erfahren Sie mehr über verfolgte Christen und darüber, wie Sie sich für sie einsetzen können! Der Eintritt ist frei. (Alle wichtigen Informationen unter: www.opendoors.de/himmelfahrtswochenende)


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Nach einer neuen Einschätzung leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
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