Ägypten: Zwischen Trauer und Zuversicht

„Während wir unsere Tränen abwischen, erheben wir unseren Blick zum Himmel“

(Open Doors, Kelkheim) – Am 9. April, zu Palmsonntag, wurden bei zwei Anschlägen auf Kirchen in Alexandria und Tanta im Norden Ägyptens mehr als 40 Menschen getötet [Open Doors berichtete]. Dutzende weitere Christen sind so schwer verletzt, dass weitere Todesopfer zu befürchten sind. Die Gemeinden stehen unter Schock. Doch sie setzen ihre Hoffnung weiterhin ganz auf Jesus. „Während wir unsere Tränen abwischen, erheben wir unseren Blick zum Himmel“, schreibt ein ägyptischer Christ angesichts der jüngsten Ereignisse. „Wir sind überzeugt davon, dass unser Vater Anteil an unserem Schmerz nimmt, ohne dass wir ihm davon erzählen müssten.“

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Bild: Eine am 14. August 2013 in der Minya-Region in Brand gesetzte Kirche.

Christen befürchten weitere Angriffe

Der „Islamische Staat“ (IS) hat sich zu den Anschlägen bekannt und angedroht, dass noch weitere folgen würden. Doch die Bedrohung geht nicht allein von den Kämpfern des IS aus. „Wir rechnen mit weiteren Angriffen, stärkerer Unterdrückung und vermehrtem Hass gegenüber Christen im täglichen Leben – hauptsächlich ausgehend von dem großen Teil der ägyptischen Gesellschaft, der unter dem Einfluss extremistischer muslimischer Führer steht“, sagt eine Kontaktperson von Open Doors in Ägypten. „Trotz aller Unterstützung, welche die Christen durch die Regierung erhalten, kann die Ablehnung der Christen und die Missachtung ihres Glaubens dennoch nicht übersehen werden.“

„Er ist nun bei Jesus“

Michael Nabil Ragheb übte in der Kirche Sankt Georg in Tanta das Amt eines Diakons aus. Am Tag vor dem Anschlag feierte er mit seiner Familie den Geburtstag seiner dreijährigen Tochter Priscilla. Seine Ehefrau Sara erzählt, er habe bereits geahnt, dass etwas passieren würde: „Er sagte uns, er denke, dass er bald unter den Märtyrern im Himmel sein würde.“ Vor dem Gottesdienst bat Michael seine Frau, sich mit ihrer Tochter ganz nach hinten zu setzen, während er nach vorn zu seinem Platz ging, um den Gesang zu leiten. Dort wurde er von der Bombe getötet.

Nie wird Sara die schrecklichen Bilder vergessen können, die sich ihr nach der Explosion boten. „Ich habe ihn so sehr geliebt“, sagt sie. Dennoch spürt sie, wie Jesus ihr in dieser schmerzlichen Situation beisteht: „Trotz alledem hat Gott mein Herz mit Trost, Frieden und großer Gnade erfüllt. Ich freue mich für meinen Mann. Er ist nun an einem guten Ort, im Himmel, bei Jesus.“


Über Open Doors

Nach einer neuen Einschätzung leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
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