Nigeria: Vater und Sohn ermordet, weitere Christen entführt

Christen im Bundesstaat Kano erleben vielfältige Diskriminierung von Behörden und Nachbarn

(Open Doors, Kelkheim) – Die Christen in Nordnigeria kommen nicht zur Ruhe. Am 15. August ereignete sich erneut ein tödlicher Überfall in Tudun Wada, Bundesstaat Kano. Gegen 20 Uhr griffen bewaffnete Männer, vermutlich ortsansässige Muslime, im Bezirk Tudun Wada den Christen Baba Kale Dankali (62) an und ermordeten ihn und seinen 20-jährigen Sohn Micah Kale. Christen vor Ort beklagen, dass die Landesbehörden die Drangsalierung von Christen nicht nur durch ihre Untätigkeit begünstigen, sondern teilweise aktiv darin verwickelt sind.

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2007 wurden in Tudun Wada mindestens neun Christen getötet und viele Kirchen verbrannten. (via WWM)

Angriff weckt böse Erinnerungen

Aufgeschreckt durch die Schüsse kam Micah Kale aus seinem Haus und fand seinen toten Vater vor. Die Angreifer waren bereits weitergezogen. Doch als sie Micahs laute Klagerufe hörten, kehrten sie um und ermordeten auch ihn. Die Witwen der beiden Männer flohen mit ihren Kindern vom Ort des Geschehens. Im weiteren Verlauf des Abends griffen die Bewaffneten noch mehrere christliche Familien an und entführten drei Frauen sowie ein Baby. Viele Christen aus der Gegend ergriffen daraufhin die Flucht. Die Geschehnisse weckten Erinnerungen an vergangene Übergriffe wie etwa im September 2007. Damals waren offiziellen Angaben zufolge neun Christen umgebracht worden (andere Quellen gehen von einer deutlich höheren Zahl aus). Im April 2015 kam bei einem Brandanschlag auf eine Kirche im Bezirk Rogo die Tochter des Pastors ums Leben. Als Reaktion darauf verurteilte der Emir von Kano, Mohammed Sanusi II, einer der wichtigsten islamischen Führer Nigerias, die Gewalt und ordnete sogar den Wiederaufbau der Kirche an.

Christen von Behörden vernachlässigt und schikaniert

Trotz dieses ungewöhnlichen Signals von einem muslimischen Führer reißt die Serie gewaltsamer Übergriffe nicht ab. Ein christlicher Leiter aus Kano, der anonym bleiben möchte, beklagte gegenüber World Watch Monitor die Rolle der Behörden bei diesen Vorfällen. Da es in aller Regel zu keiner Strafverfolgung komme, seien Christen ein leichtes Ziel; bewaffnete Muslime führen ihm zufolge Angriffe oder Entführungen mit Lösegeldforderung unter stiller Mitwirkung der Behörden durch. Selbst wenn Anzeige erstattet wird und die Täter bekannt sind, bleiben juristische Konsequenzen aus. Mitunter werden Christen selbst unter Druck gesetzt oder gar verhaftet, wenn sie ein Verbrechen melden.

Ein Mitarbeiter von Open Doors, der sich kürzlich selbst ein Bild von der Lage in Kano machen konnte, bestätigte die Angaben. Christen haben große Schwierigkeiten, Land zu erwerben oder Kirchen zu bauen. Alle christlichen Schulen und Krankenhäuser sind verstaatlicht worden. Kinder von Christen erhalten keine Stipendien und werden in vielen Fällen wegen ihres Glaubens nicht einmal an öffentlichen Schulen zugelassen.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Nigeria an 12. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors


Über Open Doors

Nach einer neuen Einschätzung leiden mehr als 200 Millionen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit über 60 Jahren in rund 60 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Projekte von Open Doors umfassen Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung von christlichen Leitern, Engagement für Gefangene, Nothilfe und Trauma-Arbeit, die Bereitstellung von Bibeln und christlicher Literatur sowie die Unterstützung von Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf.
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