Was bedeutet das Gebot, du sollst Vater und Mutter ehren?

Jana sitzt wieder mal bei ihrer Freundin Judith im Zimmer und beide unterhalten sich wie cool oder uncool ihre Eltern sind. Judith legt los: „Meine Eltern sind echt uncool! Die erlauben mir gar nichts! Ich darf nicht mal am Samstag zu Marcels Party!“. Da stimmt Jana zu und legt noch einen drauf: „Meine Eltern finde ich voll sch…! Die meinen sie könnten mir alles vorschreiben, was ich anziehe, mit wem ich mich treffe und die geben mir gar kein Geld. Ich muss alles selber erarbeiten!“ So geht das noch eine Weile weiter.

 

Am Abend kommt Jana nach Hause. Ihre Mutter begrüßt sie und lädt sie zu Tisch. Alle haben schon gegessen, nur ihr Essen steht alleine auf dem Tisch. Die Mutter setzt sich trotzdem zu ihr und fragt: „Und, was hast du schönes heute bei Judith gemacht?“. Da bleibt Jana der Bissen im Hals stecken. Was soll sie jetzt tun? Der eigenen Mutter sagen, dass sie über ihre eigenen Eltern gelästert hat? Oder lieber doch eine Notlüge? Da fällt ihr ein, dass sie am Sonntag im Kindergottesdienst gelernt hat, dass das 5. Gebot sagt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt.“ (2. Mose 20, 12). Da wurde ihr klar: Das war heute nicht gut! Jana kann ihre Tränen nicht zurück halten, flüchtet in die Arme ihrer Mutter und sagt ihr einfach alles. Die Mutter ist enttäuscht. Aber nach kurzer Aussprache ist alles wieder gut. Jana ist sich sicher; die gute Beziehung zu ihren Eltern ist mehr wert als etwas Taschengeld. Und außerdem hat sie bei der Arbeit schon so vieles gelernt.

 

Es ist nicht leicht Vater und Mutter zu ehren, also so zu leben, dass mein Reden und Tun bei anderen keine schlechten Gedanken über meine Eltern auslöst. Außerdem bedeutet ehren auch, dass meine Eltern in meinem Reden und Tun erkennen, dass ich sie ehrlich wichtig finde, ihnen dankbar bin für alles was sie mir geben. Es gehört auch dazu, dass ich ihnen etwas von dem, was sie mir gegeben haben, zurückgebe. Das ist nie genau dasselbe. Ich kann ja nicht meinen Eltern die Zähne putzen, nur weil sie mir das 4 Jahre lang gemacht haben, als ich klein war. Nein, ich helfe ihnen gerne, auf andere Art. Beispielsweise beim Einkaufen oder ich mache den Abwasch. Ehren bedeutet eben auch sich an die Abmachungen und Regeln der Eltern zu halten bis ich erwachsen bin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meine Eltern ehre, wenn ich immer zu spät abends nach Hause komme! Und letztlich bedeutet die Eltern ehren auch, dass ich mich ehrlich für sie und ihre Sorgen und Freuden interessiere und Zeit mit ihnen verbringe. Warum ist es so wichtig die Eltern zu ehren?

 

Gott hat dem Volk Israel als es aus Ägypten in ihr verheißenes Land kam, die 10 Gebote als Grundregeln für ein gutes Leben mitgegeben. Gleich nach den ersten Geboten, die die Beziehung von Mensch zu Gott beschreiben, kommt dies „Vater-und-Mutter-ehren-Gebot“. So ist es wohl Gott sehr wichtig! Klar – er selber sagt: Er möchte unser Vater sein. Wenn wir also schon unsere Eltern, die wir sehen und die uns in den Arm nehmen und sagen: „Ich liebe dich!“ nicht ehren, wie dann Gott den Vater, den wir jetzt noch nicht sehen und spüren können?

 

Vielleicht sagt der ein oder andere: „Lieber Gott ehren, der mir Gutes will und tut, als meine Eltern die mich nur schlagen und sich nicht um mich kümmern!“. Ich sagte, es ist nicht leicht, aber es steckt da eine riesige Chance drinnen sich an Gottes Gebote zu halten. Zum einen ehren wir damit Gott und er sagt: wer meine Gebote hält, liebt mich … und ich liebe ihn. Zum anderen ist es ein Gebot mit einem Versprechen: damit ich ein langes Leben in dem Land bekomme, das mir Gott gibt! Außerdem stellt Gott keine Forderungen/Gebote an uns, die wir nicht befolgen können. Nein! Gott, unser Vater, gibt mir und dir die Kraft seine Gebote aus Liebe zu ihm zu halten. Nun los! Ich will Gott um Hilfe bitten, dass er mir die Kraft gibt, meine Eltern zu ehren, auch wenn sie mich gut oder vielleicht schlecht behandeln. Du auch?

 

Kornel.Mahler[at]lifebase.org

(aus Blättle Nr. 39)